Alles über Plan B

Andrea Nahles sagt, sollte die Basis den Koalitionsvertrag ablehnen: “wir haben keinen Plan B”.

Und das ist gut so, wie ein anderer sehr prominenter Sozialdemokrat dereinst sagte.

Denn was war Plan B? Der Plan des österreich-ungarischen Generalstabes, im Falle eines Krieges alle Kräfte auf den Balkan (aha B wie Balkan) gegen Serbien zu werfen, dieses schnell zu besiegen und damit zu einem Siegfrieden zu kommen. Im Gegensatz dazu stand der Plan “R” – wie Russland – alle Kräfte auf Russland als Verbündeten Serbiens zu bündeln.

Der geneigte Leser hat es längst verstanden – ich bewege mich gedanklich im Sommer 1914. Plan B ging bekanntlich gründlich schief – das Deutsche Reich musste Kräfte in den Osten verlegen, um die russische Gegenoffensive abzuwehren (Stichwort Tannenberg), was wiederum das Scheitern des Schlieffen / Moltke -Plans bedingte. Es folgten vier Jahre Massensterben auf Europas Schlachtfeldern.

Um Missverständnissen vorzubeugen: ich stelle hier keine kontrafaktischen Gedankenspiele an – also nix der Art, hätte Plan B funktioniert, dann ….

Worum geht es mir dann?

a) ein bisschen Sensibilität für Sprache zu wecken und die Bilder, die wir tagtäglich verwenden und die trotzdem sowas von schief sind – man denke nur an den Quantensprung.

b) und das ist komplizierter- die SPD braucht keinen Plan B – weder im übertragenen noch im ursprünglichen Sinn.

Nehmen wir zunächst den übertragenen Sinn – Plan B als eine Alternative, sollte der ursprüngliche Plan scheitern. Unsere Führung hat gegen die Bank gespielt – sollte sie mit ihrem Koalitionsvertrag scheitern, hat sie verloren. Sie braucht dann keinen Plan B mehr, weil sie nicht mehr in der Lage sein wird, irgendwelche Pläne umzusetzen – das müssen dann andere tun (mir sei ein Spiel erlaubt: Ludendorff überließ es nach seinem Versagen 1918 anderen, das Geschehen zu bestimmen – neben Max von Baden auch Friedrich Ebert von der SPD).

Und jetzt im ursprünglichen Sinn: Plan B, dass war Clausewitz: “Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.” Die Mächtigen hielten sich die Option offen, einen Konflikt, den sie nicht friedlich lösen konnten, gewaltsam zu lösen. Es war der Sündenfall meiner Partei, dass sie 1914 den Kriegskrediten zustimmte, was 1917 zur Spaltung der politischen Linken in Deutschland führte, die bis heute anhält.  Otto Wels hat das 1933 wieder gut gemacht – und wir haben gelernt: Demokratie ist nicht Macht, erst recht nicht Gewalt; Demokratie ist das Ringen Aller um das Beste für Alle.

Meine Partei führt dieses Ringen momentan offen vor – und das ist gelebte Demokratie – auch wenn wir dafür eine Menge Prügel einstecken.

Mein Dank an Leo Pelzer, Fabian Köster-Schmücker, Ute Meiers und Bernhard Hadel: Ihr habt mich ÜBERZEUGT nicht ÜBERREDET, diesem Sauhaufen die Treue zu halten, auch wenn ich mit meiner Meinung untergehe.

In Abwandlung eines Churchill-Zitats; “Die SPD ist die schlechteste aller Parteien, wenn man alle anderen weg lässt.”

 

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