Lebenszeichen

Nach zehn Tagen im kommunikationsfreien Raum (sprich auf P2 im Marienhospital), wo das verlorene Handy besonders weh tut, hier zumindest mal wieder ein Lebenszeichen aus dem Ausgang heraus. Kann nicht groß schreiben, habe keinen Plan mehr, wie ich das Chaos in den Griff kriegen soll.

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Das Ende der Geschichte

In den letzten Wochen habe ich euch so offen wie möglich am Seelenleben eines Säufers teilhaben lassen, also will ich Euch auch das Ende nicht vorenthalten.

Den halben Kasten Bier, der noch in meiner Bude stand, habe ich nicht überlebt. Noch habe ich gar nicht viel getrunken, drei Flaschen, die vierte ist in Arbeit, ich bin nicht wirklich betrunken,  aber es passierte das, was uns Wolfgang so treffend ausdrückte:

noh drei, vier Bier schon ahn dämm Punkt wohr, wo mir nix mieh jet mäht,

Zwei, drei Stunden Gelassenheit, das ist es, was wir Säufer suchen. Dir tut nix mehr weh, die tanzenden Kühe sind allenfalls putzig, und morgen ist so weit weg, solange noch wie jetzt fünf Flaschen im Kasten sind.

Ein paar Stunden, die ich in der Regel wie in den vergangenen Monaten mit Wochen der Hölle bezahlen muss. Das werde ich diesmal nicht tun. Jack London, König Alkohol, die weiße Logik. Ich habe immer behauptet, ein Mensch zu sein, der zum Suizid nicht fähig ist. Ob ich es wirklich nicht bin, wird sich diese Nacht zeigen.

Eben war Robert Mende kurz bei mir. Für Robert bin ich immer noch der wirkmächtige Lokal- und Sozialpolitiker, der ihn bei seinem Projekt unterstützen kann. Robert will in seinem Heimatland, aus dem er geflüchtet ist, Sierra Leone, Saat an Reisbauern verteilen. In guten Tagen hätte ich mich dafür eingesetzt. Aber es sind keine guten Tage, vor allem sind es nur noch wenige Tage.

Mir bleibt mich zu entschuldigen. Nein, das falsche Wort, entschuldigen kann ich nichts mehr, nur noch um Verzeihung bitten.

Bei den Helfern, die alles gegeben haben. Frau Stoffels, das Team von Monika, das Team der Salus und alle die früher dran waren in den letzten 35 Jahren. Vor allem aber bei Volker, der sein letztes Hemd für mich gegeben hat, und das leitet über in Kategorie zwei

Bei meinen Freunden. Rüdiger, Leo, Thomas, Peter um die wichtigsten zu nennen.

Dann bei den Menschen, die Erwartungen in mich gesetzt haben, die ich nur enttäuschen konnte. Meine Partei, die mich zum Fraktions- und zum Ortsvereinsvorsitzenden gemacht hatte, die AWO, die in mir die Rettung für den OV sah, Klaus und KiK und viele andere mehr.

Schließlich meine Familie. Ich bitte einfach um Verzeihung, weil, das System zu erklären würde wirklich des Buches erfordern, was Margret gestern zu schreiben anregte.

Ich stelle diesen Beitrag auf Entwurf für Mitternacht. Im besten Fall lebe ich dann schon nicht mehr. In diesem Fall bitte ich meine Familie nur, aus meinem Erbe meine paar hundert Euro Schulden die ich bei Volker (summiert sich auf 1000 – 1500) Rüdiger (300) kleinere Beträge bei Peter, Leo, Ralf, Horst zu begleichen, der Rest ist mir egal.

Im schlechten Fall schaffe ich es auch diesmal nicht und wache morgen früh auf mit der Gewissheit, mich einmal mehr zum Affen gemacht zu haben und das letzte Ass aus dem Ärmel gerutscht ist.

Das Video passt zwar nicht wirklich aber der Keyborder – geil

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Höllen

Sorry, Leute. Liebend gerne würde ich ein wenig Optimismus verbreiten und gehe mir mit dem Gejammer schon selbst auf die Nerven. Aber seit Samstag ist mir immer weniger nach Optimismus. Die Erwartung alleine am Samstagabend einer bestimmten Person begegnen zu müssen hat gereicht, mich wieder völlig in die Abwärtsspirale zu ziehen. Hatte sich Ende vergangener Woche die Waage immer mehr zu der Seite geneigt, das neue anzunehmen, mich ihm zu stellen, mich dem Leben zu stellen, fühlt es sich seit Samstag mehr und mehr so an, dass ich nur noch zu entscheiden habe, in welcher Hölle ich leben will. Ich habe wieder den Fehler gemacht, perspektivisch zu denken. Dann muss ich mir eingestehen „Du bist 57, hast in Deinem Leben nichts erreicht, keine berufliche Perspektive, keine Familie und jetzt gehst Du auch noch einen Schritt zurück, gibst Deine politischen Ämter auf, gibst Deine Selbständigkeit auf, wirst mit noch weniger Geld leben müssen.“ Höllen weiterlesen

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Ein bisschen Pfeifen im Wald

“Hätte ich gewusst, dass ich so alt werde, hätte ich besser auf mich aufgepasst.” Dieses Zitat von Frank Sinatra fand ich eben auf der Innenseite der Zigaretten-Blättchen Packung, die ich frisch öffnete. Wieder einer dieser seltsamen Zufälle….

Als ich bei Hrn. Breuer das Bild von der Hochleistungsmaschine brachte, ergänzte dieser sinngemäß, dass es eine Frage der Zeit ist, wann auch diese Maschine platzt, wenn die Karre weiter mit desolaten Getriebe im zweiten Gang mit 140 über die Autobahn gejagt wird. Auch meine Therapeutin meint, dass ich noch auf wichtige Teile meines Gehirns zurückgreifen könne, schränkt aber ein “wenn man bedenkt, dass diese ganzen Polytoxine drastische Langzeitfolgen haben…”

Also ein bisschen Pfeifen im Wald. Seit meinem Abendspaziergang gestern geht mir ein Lied von der Abschiedsplatte Trude Herrs nichts mehr aus dem Kopf: MANCHMOL

“Doch immer stehste op
wenn et och schwer iss
krabbelst dich erop
dohin wo et hell iss

Kopp huu
jläuv an dich
du liers noch et Fleje
du häss noch alles üvverlääv
mit Narbe mit Woot
un met Bloot
un met Trääne
un mit Dreck der an dir klääv

Op enmol
do merkste
du kanns wirklich fleje
wie Vuelcher mim Wind

un manchmol
do flüschste allein üvver Wolke
dann bis du frei

Endlich frei

manchmol”

 

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Der verfluchte Küchentisch

Jetzt ist also das eingetreten, wovor ich mich immer gefürchtet habe. Ich habe nicht mitgezählt, wie oft ich in 35 Jahren Suchtgeschichte in Krankenhäusern, Kliniken, Therapien war. Aber immer hatte ich den Drang, raus zu kommen, so schnell wie möglich raus zu kommen. Diesmal habe ich den Drang, so lange wie möglich hier zu bleiben, habe den letztmöglichen Termin (kommende Woche Dienstag) abgemacht. Und das, obwohl ich mich auf dieser Station noch nie so unwohl gefühlt habe wie dieses Mal. Ich habe schlicht Angst, „nach Hause“ zu kommen. Der verfluchte Küchentisch weiterlesen

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Resilienz

Wie geschrieben: manchmal habe ich den Eindruck, mir werden die Themen, die mich gerade besonders beschäftigen wie auf dem Silbertablett serviert. Gestern Morgen referierte die Stationsärztin in der medizinischen Info-Gruppe über Resilienz (psychische Widerstandskraft; Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen) und wie man sie stärken kann und hat dabei bei mir alle Tasten angeschlagen. Seit 35 Jahren arbeite ich mich jetzt an dem Knochen ab, baue mir in jahrelangen Abstinenzphasen Existenzen auf und dann bricht doch wieder meine Widerstandskraft in sich zusammen und ich ziehe die Karte „Gehe zurück auf Los“. Resilienz weiterlesen

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