Karfreitag

Karfreitag. Nein, keine Sorge, ich werde jetzt nicht in Pseudo-religiöse Analogien verfallen. Seit gestern bin ich wieder in Marienborn und mit dem Hinweis, auf das bevorstehende lange Osterwochenende will ich nur ausdrücken, dass jetzt noch drei ein halb Tage vor mir liegen, in denen nix passiert und ich genüsslich im eigenen Saft vor mich hin schmoren kann, bis dann am Dienstag meine kleine Welt endgültig zusammenbrechen wird.

Es stimmt, jeder Entzug wird heftiger – und dieser ist besonders heftig, zumal ich mir ja noch ein paar andere Blessuren zugezogen habe. Aber überall die körperlichen Beschwerden fällt mir jetzt nach und nach immer mehr von dem Chaos ein, dass ich in den vergangenen zwei Wochen angerichtet habe.

Ein Blick aus dem Fenster zeigt: es ist Frühling geworden. Das Eis schmilzt, meine Kuhherde, auf die jeder argentinischer Rinderbaron stolz wäre, drängt sich immer dichter auf dem dünner werdenden Eis. Das wird schnell brechen (wie gesagt, ich rechne mit Dienstag) und die Kühe werden ersaufen – nix mehr mit vom Eis holen.

Ich habe keine Antworten mehr – nicht für die kurzfristigen Fragen (wie überlebe ich diesen Scheiß-Entzug hier), nicht für die mittelfristigen (wo und wie will ich leben, werde ich noch einmal arbeiten können, Geld verdienen, wieder abstinent leben können, wie ich es ja schon jahrelang geschafft habe) und erst recht nicht für die langfristigen (Welchen Sinn macht ein Leben, in dem ein Mann seine Talente nur dazu nutzt, Kleinholz zu machen?)

Jede Faser in meinem Körper schreit Flucht – und zwar die ganz weite Flucht, weg von all dem was mir so viel bedeutet und dass ich doch nur mit Füßen getreten habe. Ein Loch im Boden, verschwinden, nie da gewesen sein, keine Spuren hinterlassen….

Glücklicherweise erlaubt es mein körperlicher Zustand nicht – ich würde es noch nicht einmal zur Bushaltestelle am Münstertor schaffen. Als das tun, was Sr. Marietta gestern sagte: „Sie müssen jetzt auch mal was aushalten.“

Soviel der Vorrede. In den nächsten Tagen werde ich zu mindestens die Kuhkadaver zählen und veröffentlichen Dann entscheidet selbst, ob ich kokettiere, im Selbstmitleid versinke, einfach nur krank bin, ein schlechter Mensch oder was auch immer bin.

Ihr hört von mir – das ist eine Drohung.

PS zu den Kol­la­te­ral­schä­den der letzten Wochen gehört auch, dass ich mein Handy verschludert habe, aber ich sollte über das Patiententelefon von Monika erreichbar sein (02252 / 53376) und weil hier bis Montag nix passiert und ich mit Sicherheit die Station nicht verlassen darf sollte auch spontaner Besuch möglich sein.

 

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