Ostern I

Heute Morgen gab es vom Haus (Marienborn) für jeden einen Goldhasen. Eigentlich eine schöne Geste. Aber ich musste an früher denken, als es den Goldhasen am Ostermorgen von meiner Mama gab. Und daran, dass es dann so vor zwei, drei Jahren plötzlich Ostern keine Hasen mehr gab. Und ich wusste, meine Mama kriegt es nicht mehr geregelt, für ihre sechs Kinder und diverse Enkel die Hasen zu organisieren. Und an diesem Ostermorgen wurde mir klar, das langsame grausame Sterben hat begonnen. Der fortschreitende Abbau, der Verfall, dieses immer weniger werden, immer weniger geregelt bekommen. Die Realitätsverweigerung meiner Geschwister (außer Margret), die trotzdem krampfhaft versuchten, an diesen Feiertagsritualen der Familie, die schon lange nur noch leere Hülsen waren, festzuhalten.

Der Hase heute Morgen hat mich tottraurig gemacht. Was würde ich darum geben, an einem solchen sonnigen Ostersonntag zu Hause auf der Terrasse zu sitzen, auf den Kaffee zu warten, um dann endlich nach Hause fliehen zu können. Denn damals war meine Wohnung noch mein Zu Hause, weil es ein Fluchtpunkt war. Aber dazu unter Ostern II mehr

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