Ostern II

oder der Versuch die Sprache wieder zu finden.

Am Ostersonntag noch überraschend Besuch von meiner Schwester und ihrem Freund bekommen. So sehr es mich gefreut hat, irgendwie hat es mir auch den Rest gegeben. Die Erinnerung an bessere Zeiten, die Erinnerungen an „zu Hause“ – oder vielleicht auch nur die Erinnerung an das zu Hause, wie ich es mir immer erträumt habe.

Ostermontag auch noch hier abgehangen. Dann nach diesem vier Tage langsamen Schmoren im eigenen Saft die Entscheidung: ich werde (vorübergehend) die eigene Wohnung aufgegeben und mir eine Abstinenz-WG suchen – erste Schritte sind eingeleitet. Danach nur noch Leere im Kopf, Traurigkeit, Sentimentalität. Rationalität ist die eine Seite; es ist relativ witzlos, so weiter zu machen wie in den letzten 1 ½ Jahre.

Nächster Ansatz, gegen das Chaos anzuschreiben. Es brauchte bis gestern, bis ich den ersten Ausgang bekommen habe; wenigstens ein wenig vor die Tür kommen, was anderes sehen, Beine vertreten. War kurz davor, einen Lagerkoller zu bekommen. Jetzt, wo ich wenigstens raus kann, geht es etwas besser. Heute hat Hr. Breuer in meinem Beisein beim Caritas-Verband angerufen. Es gibt im BeWo tatsächlich freie Plätze, mein Fall soll am Dienstag im Team besprochen werden, dann weiß ich mehr, ob ich Chance auf Aufnahme habe. Hat etwas Druck aus dem Kessel genommen; was ich in dieser Hinsicht tun konnte, ist getan, jetzt heißt es warten.

In den Visiten diese Woche, den Gesprächen mit Hrn. Breuer und auch mit dem Pflegepersonal und nicht zuletzt mit Volker wird immer klarer: es ist die richtige Entscheidung, es ist die einzig mögliche Entscheidung, wenn ich leben will.

Aber es fühlt sich trotzdem nicht gut an. Es fühlt sich an als ein Schritt zurück, als Versagen, als Enttäuschen und was weiß ich noch nicht alles – die Themen über die ich schreiben will werden mir so schnell nicht ausgehen.

Als Fazit für heute: es bleibt die Angst, ob ich nochmal auf die Beine komme. Und es bleibt die Angst, die Frage, die mir vor 35 Jahren (sic!) zum ersten mal gestellt wurde, nie mit ja beantworten können werde.

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