Reichspogromnacht

Wie weit sind wir schon wieder gekommen? Gestern wurde ich Zeuge, wie sich eine “Dame” über ein unheimlich “witziges” Video, dass ihr über Whatsapp zugemailt worden war, schier wegwerfen wollte vor Lachen.

Das Video selbst habe ich nicht gesehen, nur den Ton konnte ich hören: “Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt” – die Zeile aus dem berüchtigten SA-Kampflied “Es zittern die morschen Knochen”.

Bei solchen Sachen verstehe ich keine Spaß – und auf meine Intervention hin schaute mich ein junger Mann (24 Jahre) ganz betreten an: “Das habe ich nicht gewusst”.

Deswegen halte ich solche Veranstaltungen wie heute die Gedenkfeier  zur Reichspogromnacht für so wichtig. Wir in Euskirchen gehen nicht den Weg, dass einige mehr oder weniger prominente Lokalpolitiker einen Kranz an der Gedenkstätte ablegen und dann zur Tagesordnung übergehen. Bei uns bereiten die weiterführenden Schüler das Programm der Gedenkfeier vor und setzen sich so mit den Ereignissen des Jahres 1938 auseinander. Und die Kinder und Jugendlichen, die wie in den vergangenen Jahren mit den unfassbaren Verbrechen der NS-Zeit konfrontiert werden, werden nicht mehr sagen können “das habe ich nicht gewusst” und auch solche unsäglichen Whatsapp oder Facebook-Videos nicht mehr lustig finden.

Ich bin sehr traurig darüber, dass ich heute an der Gedenkfeier nicht teilnehmen kann, weil ich just um 17:00 einen Arzttermin habe. Daher möchte ich auf diesem Weg allen danken, die diese Feier gestaltet haben.

Und es passt zwar nicht 100 Pro zu meinem Thema, aber ich möchte nicht schließen, ohne mein cetero censeo vorzubringen: wir müssen das Andenken an Joseph Emonds und Willi Graf bewahren, auch wenn wir die Schulen aus demographischen Gründen auflösen mussten!

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