SWR1 Herzensache

Nabend.

Die 1. Luftwaffenausbildungsregiment 5 hatte eine Patenschaft über ein Kinderheim, heute würde man offen sagen eine Kinder-Palliativ Station. An jedem Zahltag stand der Spieß neben dem Büro des Zahlmops und ,nun ja, ermutigte die Rekruten, die Groschen hinter der Mark in die Spendenbox zu werfen.

Was für jeden Einzelnen von uns nur Pfennigbeträge waren, summierte sich übers Jahr, so das ein ansehnliches Geschenk  mit gebracht werden konnte. Kurz vor Weihnachten hatte ich das Glück, mit zur Weihnachtsfeier des Heims zu dürfen. Ich weiß nicht mehr, wie das Heim heißt und wo in Mittelfranken es liegt, aber diesen Nachmittag werde ich nie vergessen. Wir Jungs in unseren blauen Uniformen waren die Sensation des Jahres für die Kinder. An mich heftete sich den ganzen Nachmittag ein Zwölfjähriger, der schon deutlich von seiner multiplen Muskelerkrankung gezeichnet im Rollstuhl saß. Er erzählte mir offen und in einer Abgeklärtheit, die mich noch heute gruseln lässt, dass sein Bruder mit der gleichen Erbkrankheit mit vierzehn Jahren gestorben ist. Wie sehr ich mir heute wünsche, ich könnte mich an Deinen Namen erinnern! Du warst glücklich an diesem Nachmittag, als ich Dir von meinem Soldatenalltag, unseren Kriegsspielen, unseren Telekommunikationsbemühungen, die schon 1981 hoffnungslos überaltert waren, erzählte.

Heute läuft in meinem Lieblingssender SWR 1 der Herzenssache-Wunschsonntag. Der Zyniker in mir sagt “1,3 Millionen Spendenaufkommen im Jahr, das Monatsgehalt eines mittelprächtigen Fußball-Nationalspielers, und dafür der ganze Aufwand?” Der Sozialpolitiker in mir fordert: “die vorgestellten Projekte sind gut und richtig, aber es wäre eine gesamt-gesellschaftliche Aufgabe, sie zu finanzieren.”

Und was macht das kleine Menschlein vor dem Radio? Ja Frau Berkau und Schwester Ann-Kathrin, das kleine Menschlein weint. Nicht unterdrückt oder symbolisch sondern mit richtig fettig salzigen Tränen..

Nein, dass ist jetzt wahrlich nicht die Stelle, in selbstmitleidiges Gejammere zu verfallen, wenn man den ganzen Tag Geschichten von krebskranken Kindern hört. Das ist der Moment, sich an den großen amerikanischen Philosophen zu erinnern, der nicht nur meinen Vornamen trug und mit der gleichen psycho-pathologischen Geschichte gestraft war , sondern es ganz simple sagte:”Wenn Du die Welt verändern willst, fange mit dem Mann im Spiegel an!”

Und jetzt SWR1 spiel meinen Song, denn wir brauchen alle ein Wunder!

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Ein Gedanke zu „SWR1 Herzensache“

  1. Danke für die Geschichte und den wichtigen Impuls. Ich werde an mir arbeiten, allerdings auch an der von dir so treffend beschriebenen Lösung. Es könnte vieles so einfach sein, wenn wir von den ‘schlechten Gewissen Spenden’ zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung kämen.

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