Tage wie diese

Wer solche Tage überlebt, soll noch nicht abtreten, vielleicht hat Peter ja mit dieser Aussage Recht.

Heute habe ich dem Fass die Krone ins Gesicht geschlagen (oder so ähnlich). Als ich gestern Morgen  im Ruhrpark saß und mein Bierchen zwitscherte (Dieser Euphemismus ist blanker Zynismus) kam der Leiter des Ordnungsamtes persönlich vorbei.Ich habe das Alkoholverbot selbst mitbeschlossen – hier gebe ich Hrn. Dr. Friedl Recht. Demokratie lebt von Mehrheitsbeschlüssen – und wenn der Rat beschließt, bin ich als Stadtverordneter an dieses Votum gebunden. Also konnte ich Hrn. Müller schlecht sagen “ich warte hier auf meinen Dealer, der mir was zu rauchen vorbei bringt”. Also die Schmier, Sanka, Ambulanz Marien-Hospital.

Da liegste mit 3,7 auf der Pritsche, die kardiologische Diagnose voll bestätigt, die onkologische indirekt bestätigt (weitere Behandlungsempfehlung: kontrastmittel gestütztes cMRT, genau das was Uwe Anfang März angeordnet hatte. Ich bin bei einem der besten Dermato-Onkologen Deutschlands in Behandlung, da kommt die Ambulanz der Grundversorgung nicht mit, sorry) aber weil Du nichts gebrochen hast, biste kein Notfall. Gegen Mittag entlassen wurden und erstmal um Eck ins Inden, um mich aus dem Entzug zu saufen.

Zwei ganz spannende Begegnung. Eine Beerdigungsgesellschaft, eine bessere Gesellschaft. Autos ab A4 aufwärts. Der junge Mann, der seinen Vater beerdigt hat (ich habe ihn nach seinem Namen gefragt, verschweige diesen aber aus Gründen der Diskretion). Um Haltung bemüht, obwohl ihm zum kreesche ist. Alles noch mit Anstand regeln. Dann die Pointe: als die Gesellschaft sich auflöste und alle in ihre Nobel-Karossen stiegen zog er den Helm an und fuhr auf dem Motorroller weg.

Und dann die schönste Frau, die ich je gesehen habe. Ganz entspannt über Luxemburg, Echternach, die Echternacher Schweiz geplaudert.

Danach in die KV-Notpraxis. Alles auf Privat, weil ich meine AOK-Karte verschludert habe. Immerhin gelingt es mir, so überzeugend aufzutreten, dass ich der Ärztin genau zwei Bromazepam (eine für Samstag), eine für Sonntag) auf Privatrezept aus den Rippen geschnitten kriege. Ich also zur Apotheke am Hitmarkt in der Roitzheimer, die einzige die Samstag-Nachmittag auf hat. Das Diclofenac verkauft er mir anstandslos, das Lexotanil hat er angeblich nicht da. Er würde mir das aber gerne für Montag bestellen. Wenn ich bis Montag überlebe, brauche ich es nicht mehr. OK Bromazepam ist kurz vor BTM, aber immer noch ein gängiges Beruhigungsmittel – das hat jede Apotheke. Der wollte nur nicht die Packung anbrechen.

Ich also frustriert auf den Heimweg. Im Lidl was zu trinken geholt. Wollte mich auf die Bank vor dem Cube setzen, bin über den Bordstein gestolpert gefallen und einfach nicht mehr hoch gekommen. Auf meiner persönlichen Schmerzskala bleibt die Nierenkolik von 2000. auf zehn. Aber die Rippenprellung gestern war auch schon 8,5.Also wieder Sanka, Notaufnahme.  Erstmal Schmerzmitteltropf. Als ich leidlich beschwerdefrei war (waren grausame zwei Stunden) erstmal, noch mit dem Zugang auf der Hand, zu Inden ein Bier trinken. Irgendwie triggere ich die Wirtin an, sie erzählt, ihr Vater wäre Alkoholiker gewesen und an der Sucht krepiert. Mehr will sie nicht erzählen. Gruselig.

Zurück in der Ambulanz meint der Krankenbruder “ich zieh jetzt noch die Nadel, dann können sie gehen”. Auf dem Heimweg Peter und Martina überfallen, die das Pech haben auf halben Weg zu leben. Eines der besten Gespräche die ich je geführt habe. Peter ist ein Freund, einer der echten Kameraden, die man im Graben neben sich haben will, um sich sicher zu fühlen. Aber den Stock kriegt man aus diesem preussischen Beamtenhintern nicht mehr raus. Martina und ich sind congenial. Hat gut getan, einfach nur verstanden zu werden. Danke.

Genug für heute. Habe meine Handy verschludert, wer mich erreichen will als bitte über Festnetz Facebook oder email.

Ihr hört von mir. Das ist diesmal keine Drohung, sondern ein Versprechen.

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